SolSarine
Die Initianten von SolSarine starten
den Solar-Express: «Es ist nun an uns, für die
kommenden Generationen zu sorgen»
TEXT: HANS-UELI TSCHANZ
BILDER: RAPHAEL FAUX
Das Energiegesetz des Bundes sieht seit Herbst 2022 Erleichterungen für Baubewilligungen von alpinen Fotovoltaik-Grossanlagen vor. Diese Chance will auch Impact Gstaad nutzen und das Nach-haltigkeitsprojekt «SolSarine» umsetzen: Im Saanenland sollen bis 2027 an zwei Standorten alpine Fotovoltaikanlagen entstehen, um insbesondere in den Wintermonaten eine sichere Stromversorgung mit einheimischer, erneuerbarer Energie zu gewährleisten. Im August 2023 haben die Initianten Andrea Scherz, Matthias In-Albon und Lorenz Furrer auf dem Hornberg bei Saanenmöser eine Pilot-anlage in Betrieb genommen, welche während der nächsten zwei Jahre wichtige Daten sammeln wird.
Andrea Scherz und Matthias In-Albon mit Vertretern der Landbesitzer: Raymond von Goumoens, Stiftung Schneit, und Thomas Schläppi, Alpkorporation Hornberg Parwengen.
Vertreter der Schutzorganisationen, des eidgenössischen Parlaments, der Kantonsregierungund der Lokalpolitik sowie Fachspezialisten, Landbesitzer und die Initianten selbst zeigten sich zufrieden über die Installation der Pilotanlage in vergleichsweiser kurzer Zeit. Für Mitinitiant Matthias In-Albon steht die Notwendigkeit, sich mit dem Solar-Express auf die Reise zu machen, nicht zur Disposition: «Es ist nun an uns, für die nächste Generation zu sorgen. Klimapolitik geht nur Hand in Hand mit der Energiepolitik. Zum politischen Ziel des Bundes, bis 2050 komplett auf erneuerbare Energie umzustellen, können wir mit SolSarine einen Beitrag leisten.»
Die Pilotanlage dient als Datenlieferant und ist die erste dieser Art im Kanton Bern. Es wurden dafür zwei Trägertischkonstruktionen mit den Solarmodulen auf dem Hornberg errichtet. Der von der Pilotanlage produzierte Strom wird im Winter vom Skilift Hühnerspiel und übers ganze Jahr von den beiden Restaurants auf dem Hornberg genutzt. Im Endausbau bis 2027 sollen die SolSarine-Anlagen auf einer Fläche von rund 50 Hektaren jährlich rund 65 Gigawattstunden Solarstrom produzieren. Um von der Förderung durch Bundessubventionen zu profitieren, müssen bis Ende 2025 mindestens zehn Prozent der erwarteten Produktion der gesamten geplanten Anlage ins Netz eingespeist werden. Die Frist bis zur vollständigen Inbetriebnahme der Anlagen läuft bis Ende 2030.
Für die Erteilung der Baubewilligung ist der Kanton Bern zuständig. Dazu müssen jedoch die Zustimmungen der Standortgemeinde sowie der Grundeigentümerinnen und -eigentümer vorliegen. Gemeindepräsident Toni von Grünigen fasst die Haltung der Gemeinde Saanen wie folgt zusammen: «Am 13. Dezember 2022 hörten wir im Gemeinderat zum ersten Mal von diesem Projekt und bereits am 10. Januar 2023 beschlossen wir, darauf einzutreten und das Projekt finanziell zu unterstützen. Die Initianten sagten, man solle sich kritisch mit dem Projekt auseinandersetzen und das wollen wir in der Gemeinde Saanen tun. Wir haben strenge Vorschriften in unserem Baureglement. An einem Balkon wäre es nicht möglich, eine Fotovoltaikanlage zu montieren, andererseits planen wir nun hier grossflächig alpine Fotovoltaikanlagen zu montieren. Damit haben wir uns sorgfältig auseinanderzusetzen. Das Landschaftsbild ist für uns als Tourismusregion wichtig. Aber schlussendlich brauchen wir alle Strom und irgendwoher muss dieser auch kommen. Im Energierichtplan der Gemeinde Saanen möchten wir auf 80 Prozent eigene Stromproduktion kommen und das ist ohne eine solche Anlage nicht möglich.»
Toni von Grünigen, Gemeindepräsident von Saanen und der damalige Nationalrat Erich von Siebenthal: «Wenn man auf dem Hornberg steht, schaut man in die Weite…»
Auf dem Hornberg in Saanenmöser war auch der einheimische damalige Nationalrat Erich von Siebenthal zugegen, welcher mit dabei war, als das Energiegesetz mit den Erleichterungen für Baubewilligungen von alpinen Fotovoltaik-Grossanlagen und die Förderung durch Bundesubventionen im eidgenössischen Parlament beschlossen wurde. Als Präsident des Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Verbands und damals noch Parlamentarier, fand er gute Worte für das Projekt SolSarine: «Wenn man auf dem Hornberg steht, dann schaut man automatisch in die Weite… Man sieht, wie die Weiden, die Liegenschaften und das Saanenland als Ganzes gepflegt sind. Das sind unsere Landbesitzer, unsere Bäuerinnen und Bauern, unsere Älplerinnen und Älpler, die hier zum Rechten schauen. Ich möchte diesen Menschen danken, denn das sind unsere Stärken im Saanenland und die Qualitäten in der ganzen Schweiz. Aber jetzt kommt dieses Energiethema auf uns zu, und ja, im Winter 2022/23 ist es im eidgenössischen Parlament schon sehr schnell und unbürokratisch gegangen. Aber für mich war immer klar, von irgendwoher müssen wir die Energie kriegen. Denn sonst gibt es keinen Tourismus mehr und nichts funktioniert wie vorher. Deshalb war ich von Anfang an der Meinung, dass die alpinen Solaranlagen ein guter Kompromiss sind. Man kann das Land weiterhin beweiden und die Installationen ohne Altlasten wieder wegräumen. Als oberster Älpler in diesem Land ist dies für mich wichtig – auch als Argument denjenigen Landbesitzern gegenüber, die noch skeptisch eingestellt sind. Irgendwie müssen wir unseren Wohlstand halten können und der eine oder andere wird auch seinen Anteil daran leisten müssen. Wir sind da im Saanenland nämlich nicht die Einzigen auf diesem Weg. Andere sind mittlerweile auch erwacht. Deshalb müssen wir in der jetzigen Besetzung diesen Weg weitergehen und ich bin davon überzeugt, dass das Ziel mit dem heutigen Tag näher gerückt ist.»
Der Vertreter der ca. 15 Landeigentümer der Alpkorporation Hornberg Parwengen ist Thomas Schläppi, Biobauer aus dem Grund bei Gstaad. «Als Erstes wurde mir von Mitinitiator Matthias In-Albon das Projekt vorgestellt, und als ich das Gefühl hatte, dass unsere Teilnahme in Frage käme, habe ich ein Treffen mit allen Landeigentümern organisiert. Tendenziell war das Verständnis bei allen Landeigentümern durch alle Altersgruppen hindurch gleichmässig vorhanden.» Auf die Frage, welche massgeblichen Punkte es waren, die sie zur Zustimmung geführt hätten, sagt Thomas Schläppi: «Es betrifft Flächen, die nicht gerade die besten sind und solche, die nicht allzu stark tangiert werden bezüglich Nutzung. Für uns war auch immer wichtig, dass es dem Berg etwas bringen muss und wir vom Strom direkt in unseren Hütten profitieren können. Momentan arbeiten wir mit kostspieligen Stromgeneratoren. Der Strom würde dann vom Netz kommen, sodass dieser die ganze Zeit zur Verfügung steht und nicht nur, wenn die Sonneneinstrahlung stimmt.» Auf die Frage, wie es nun weitergeht, sagt Schläppi: «Ich bin regelmässig mit Matthias In-Albon in Kontakt, und wir können gemeinsam optimieren, sodass später auch die Verletzungsgefahr für Nutztiere und Wildtiere klein bleibt und alles Hand in Hand geht. Mit den verschiedenen Ämtern besprechen wir die Details, was den späteren Strassenausbau anbelangt.» Thomas Schläppi hat aber im Namen der Landeigentümer auch ein konkretes Anliegen: «Mir ist es wichtig, dass man die Verhältnismässigkeit nicht aus den Augen verliert. Es macht wenig Sinn, dass man bei uns alles verbaut, ohne punktuell zu schauen, wo es von der landwirtschaftlichen Nutzung her auch Sinn machen würde. Und es ist nicht nur an uns Landwirten im Berggebiet, Hand zu bieten. Alle Gemeinden und Kantone sollten gleichzeitig auch ihre Hausaufgaben machen und zum Beispiel Autobahnböschungen oder andere passende Orte, die vorhanden wären, in die langfristige Energienutzung miteinbeziehen. Es kann nicht sein, dass man alles in die Alpen verlegt, weil es da vielleicht im Moment am idealsten ist. Die Städte müssen ihren Beitrag auch leisten, sonst entsteht bald einmal ein Ungleichgewicht. Alles wird momentan in die Städte zentralisiert – denken wir zum Beispiel an die Gesundheitsversorgung – und wir in den Bergen sollten dann auch noch den Strom dazu liefern. Es müssen jetzt alle mithelfen, damit noch mehr Akzeptanz erreicht werden kann.»
Thomas Schläppi, Vertreter der Alpkorporation Parwengen: «Die Städte müssen ihren Beitrag auch leisten, nicht nur wir in den Alpen.»
The initiators of SolSarine are launching the solar-express
“It’s now up to us to take care of future generations”
Since the autumn of 2022, the Federal Energy Act has provided for relief measures relating to planning permission for Alpine large-scale photovoltaic systems. Impact Gstaad also wants to take advantage of this opportunity and implement the -sustainability project “SolSarine”: in the Saanenland, Alpine photovoltaic systems are to be built at two locations by 2027, in order to ensure a reliable power supply with local, renewable energy, especially in the winter months. In August 2023, the initiators Andrea Scherz, Matthias In-Albon and Lorenz Furrer commissioned a pilot system on Mount Hornberg near Saanen-möser, which will collect important data over the next two years.For co-initiator, Matthias In-Albon, the need to go down the Solar-Express route is not up for discussion: “It’s now up to us to take care of the next generation. Climate policy only goes hand in hand with energy policy. With SolSarine, we can make a contribution to the Swiss Confederation’s political goal of switching completely to renewable energy by 2050.” The pilot system serves as a data supplier and is the first of its kind in the Canton of Bern. For this purpose, two ground-mounted PV structures with the solar modules were erected on Mount Hornberg. The electricity produced by the pilot system is used in winter by the Hühnerspiel ski lift and throughout the year by the two restaurants on Mount Hornberg. In the final expansion by 2027, the SolSarine systems are to produce around 65 gigawatt hours of solar power annually on an area of around 50 hectares. In order to benefit from federal subsidies, at least ten per cent of the expected production of the entire planned plant must be fed into the grid by the end of 2025. The deadline for the complete commissioning of the systems runs until the end of 2030.
Les initiateurs de SolSarine lancent le solar-express
« C’est désormais à nous de nous soucier des générations futures »
Depuis l’automne 2022, la Loi fédérale sur l’énergie prévoit de faciliter l’obtention de permis de construire pour les grandes installations photovoltaïques alpines. Impact Gstaad désire saisir cette opportunité et mettre en œuvre le projet durable «SolSarine»: d’ici 2027, de grandes installations photovoltaïques alpines devraient voir le jour en deux endroits du Saanenland, afin de garantir un approvisionnement sûr en énergie locale, renouvelable, en particulier durant les mois d’hiver. En août 2023, les initiateurs, Andrea Scherz, Matthias In-Albon et Lorenz Furrer, ont mis en service sur le Hornberg, près de Saanenmöser, une installation pilote qui va récolter d’importantes données durant ces deux prochaines années. Pour Matthias In-Albon, il n’y a pas lieu de remettre en question la nécessité de lancer le Solar-Express: «C’est désormais à nous de nous soucier de la prochaine génération. Politique climatique et politique énergétique vont automatiquement de pair. Grâce à SolSarine, nous pouvons contribuer à l’objectif politique de la Confédération, de passer complètement aux énergies renouvelables d’ici 2050.» L’installation pilote sert à fournir des données et elle est la première de ce type dans le canton de Berne. Deux structures destinées à recevoir des panneaux solaires ont été construites sur le Hornberg. Le courant produit par l’installation pilote sera employé en hiver par le téléski du Hühnerspiel et tout au long de l’année par les deux restaurants du Hornberg. Au final, d’ici 2027, sur une surface d’environ 50 hectares, les installations de SolSarine devraient produire quelque 65 gigawattheures de courant solaire par an. Afin de profiter des subventions de la Confédération, d’ici fin 2025, au minimum dix pour cent de la production prévue sur l’entier de l’installation planifiée doit être injectée dans le réseau. Le délai prévu jusqu’à la mise en service complète des installations court jusqu’à fin 2030.


















