Bergsteigerdorf Lauenen
Nahe an der Natur
Am 1. August wurde Lauenen offiziell in das internationale Netzwerk der Bergsteigerdörfer aufgenommen – als erstes Dorf im Kanton Bern. Die Initiative steht für naturnahen Tourismus, gelebte Alpinkultur und die Philosophie «Weniger, dafür besser».
870 Einwohner, eine Kirche, eine Schule, zwei Restaurants, ein Dorfladen. Das kleine Dorf Lauenen pflegt sein Dorfleben und lebt seine Traditionen.
Vizegemeindepräsident Pascal Bangerter
Vizegemeindepräsident Pascal Bangerter beim Wandern in der wunderschönen Natur rund um sein Heimatdorf Lauenen. Im Hintergrund das Louwenehore.
Es gibt weder eine grosse Bergbahn noch andere grosse Infrastrukturen in Lauenen. «Das wären auch klare Ausschlusskriterien für den Titel Bergsteigerdorf», erklärt der Vizepräsident Pascal Bangerter. «Mit dem Beitritt möchten wir den naturnahen Tourismus auch künftig fördern und Erfahrungen mit den anderen Bergsteigerdörfern austauschen.» Einen verstärkten Run auf das 870-Einwohner-Dorf aufgrund des neuen Labels befürchtet er nicht. Eher spreche das Label ein Publikum an, das gut zu Lauenen passe – Menschen, die Ruhe, Ursprünglichkeit und Nachhaltigkeit suchen. «Bergsteigerdorf meint ja nicht wortwörtlich, auf einen Gipfel zu steigen. Es geht um Nachhaltigkeit, Dorfgemeinschaft, um das Wertschätzen des Bestehenden», sagt Bangerter.
Berg- und Skitourenführer Daniel Oehrli
Daniel Oehrli ist in Lauenen aufgewachsen und sehr naturver-bunden.
Der Berg- und Skitourenführer, Jäger und Imker zeigt Touristen, welche wunderschönen Geheimnisse die Natur bereithält.
Versteckte Juwelen der Natur
Wofür steht das Bergsteigerdorf Lauenen? Können Sie die Werte in drei Worten sagen?
Naturnaher Tourismus, die Pflege der Traditionen und ein funktionierendes Dorfleben.
Wie kann man die Traditionen pflegen und sie auch der jüngeren Generation oder den Gästen näherbringen?
Indem auch die heimische Bevölkerung sie lebt und pflegt: zum Beispiel den Sufsunntig. Das ist ein Bergfest, bei dem eine «Meisterkuh» gekürt wird. Auch Gäste sind dazu herzlich eingeladen.
Sie waren bei Lauenens Präsentation vor dem internationalen Bergsteigerdorfkomitee in Innsbruck dabei. Welche Kriterien hat Lauenen erfüllt, um die Auszeichnung zu bekommen?
Wir haben nicht nur den wunderschönen Lauenensee. Unser Hochmoor ist eines der höchstgelegenen in Europa und komplett mit Schilf bedeckt. Dort leben um die 80 Brutvögel. Und schliesslich haben wir die beeindruckende Landwirtschaft mit
600 Kühen, die vielen Vereine, das Dorfleben, den Dorfladen.
Es geht ja beim Titel Bergsteigerdorf um Ursprünglichkeit und Einklang mit der Natur.
Wie setzen Sie das persönlich um?
Als Berg- und Skitourenführer zeige ich meinen Gästen die versteckten Juwelen auf den Wander-wegen rund um Lauenen. Wir gehen über den mehr als 3000 Meter hohen Arpelistock oder wandern durch das Naturschutzgebiet Gelten–Iffigen. Ich zeige ihnen, wo Trollblumen, Teufels-krallen oder Alpen-Anemonen wachsen oder wo sich der Gältebach als Wasserfall über die Felsen stürzt.
Landwirte und Skiliftbetreiber Maja und Toni Perreten
Von ganzem Herzen für die Tiere da: Maja und Toni Perreten betreiben einen kleinen Lift von 1967.
Vom Skilift in den Stall
Auch die Lauener Dorforganisationspräsidentin Maja Perreten freut sich, dass das Label diejenigen Gäste-gruppen anzieht, «die wie wir selbst Lauenen als wunderschönen und einzig-artigen Ort ansehen. Es braucht keine neuen Ressourcen – die angesprochenen Besuchenden wollen das nutzen, was da ist.» Zusammen mit ihrem Mann Toni und ihrem Team arbeitet Maja seit mehr als 20 Jahren am kleinen Skilift in Lauenen. Der Bügellift existiert seit 1967, ist einen Kilometer lang und führt auf ein familien-freundliches Skigebiet mit drei über-sichtlichen Pisten. «Man kann sich auch auf der angrenzenden Langlauf-loipe sportlich betätigen oder die Natur bei einem Spaziergang im Naturschutzgebiet Rohr geniessen», sagt sie. Mit Herzblut kümmert sich das Paar jeden Tag mit seinem Team um den kleinen Lift: Maja erledigt vor allem administrative Arbeiten und alles rund um die Kasse, Toni ist für die technischen Arbeiten zuständig, und zusammen mit dem Team beschneit und präpariert er die Pisten und hilft den Skifahrer:innen auf die Bügel. Und wenn die beiden Land-wirte mal nicht an ihrem Lift tätig sind, versorgen sie liebevoll ihre Mutterkühe, Kälber, Pferde und Ziegen.

Was sind Bergsteigerdörfer?
Bergsteigerdörfer sind kleine, ruhige Orte, die sich dem sanften Tourismus verschrieben haben. Im Zentrum der Initiative stehen der sorgsame Umgang mit der Gebirgswelt sowie die Stärkung der regionalen Wert-schöpfung. Projektträger sind die Alpen-vereine von Österreich, Deutschland, Italien, Slowenien und der Schweiz. Insgesamt gehören 43 Dörfer aus diesen fünf Ländern zum Netzwerk. Der SAC koordiniert und leitet das Projekt in der Schweiz.

















































