Daniel Hope
Über Apartheid, Staatenlosigkeit, den Weg-zug
aus Berlin – und warum er ursprünglich nicht Hope,
sondern Tully heissen sollte
TEXT: HANS-UELI TSCHANZ
BILDER: BAILEY DAVIDSON PHOTOGRAPHY
Daniel Hope ist der neugewählte Intendant des Menuhin Festival Gstaad. Über seine bisherige musikalische und künstlerische Karriere wurde im vergangenen Sommer und anlässlich der Stabübergabe am 6. September 2025 bereits ausführlich berichtet. Im nachfolgenden Gespräch liegt der Fokus auf seinem Leben, seiner Familie, seinem Vater und dessen Kampf als Autor vieler Bücher gegen die Apartheid in Südafrika, auf der vorübergehenden Staatenlosigkeit seiner Familie, auf einer persönlich erlebten Begegnung zwischen Yehudi Menuhin und Bischof Desmond Tutu, auf dem Besuch des Gefängnisses von Nelson Mandela, auf der Vergangenheit seiner Familie mütterlicherseits in Deutschland und den Gründen für den Umzug seiner Familie von Berlin in die Schweiz. «Erst als Nelson Mandela an die Macht kam, fing mein Vater wieder an, Südafrika zu besuchen», erzählt
Hope – und ganz am Anfang erfahren wir, wie er zu seinem Familiennamen kam und was dieser für ihn bedeutet.
Daniel Hope, dein Name inspiriert, passt in jede Lebenssituation und bedeutet Hoffnung. Ein Glücksfall?
(Denkt nach): Mein Name geht eigentlich auf ein schmerzhaftes Erlebnis zurück – und gerade das macht ihn interessant. Eigentlich müsste ich Tully heissen. Mein Grossvater, der Vater meines Vaters, Dennis Tully, war ein irischer Südafrikaner. Er diente im Zweiten Weltkrieg als Pilot in der britischen und südafrikanischen Luftwaffe und kam in Nordafrika als junger Mann ums Leben. Meine Grossmutter heiratete später erneut, und ihr zweiter Mann trug den Namen Hope. Doch mein Vater mochte ihn nicht – er wurde von ihm schlecht
behandelt – und wollte den Namen nicht annehmen. Vor Gericht musste er sich schliesslich entscheiden: weiter Tully heissen oder künftig Hope. Aus Angst vor diesem Mann entschied er sich widerwillig für Hope. So wurde ein bedrückendes Kapitel zur Quelle meines heutigen Namens. Für mich aber bedeutet «Hope» seit meiner Geburt etwas ganz anderes: ein grosses Glück. Denn ich glaube, Hoffnung ist eines der wichtigsten Dinge im Leben.
Dein Name lädt dazu ein, mit klugem Wortspiel viel auszusagen: «Hope at Home» – wo du während der Coronapandemie einem Millionen-Publikum jeden Abend über arte TV mit Konzerten aus deiner Berliner Wohnung «Hope» gespendet hast.
Das Wortspiel «Hope@Home» war die Idee meiner Frau Silvana. Wir hatten noch keinen Namen für die Sendung. Silvana schaute mich an und sagte spontan: «Hope at Home.» Alle blickten sie an – und sagten unisono: Bingo! Es folgten 150 Konzerte aus meiner Berliner Wohnung. Rückblickend erscheint es fast unwirklich: Diese merkwürdige Zeit, in der alle zu Hause eingesperrt waren – und plötzlich Dinge möglich wurden, die sonst undenkbar gewesen wären. Ich schrieb eine SMS an Simon Rattle, Christian Thielemann oder Lang Lang – und bekam tatsächlich Antworten. Alle sassen zu Hause und fragten sich, was sie am nächsten Tag tun sollten. Weil Reisen anfangs nicht erlaubt war, stand schnell fest: Die Sendung musste jeden Abend aus meiner Wohnung in Berlin kommen. Zum Glück wimmelt es in Berlin von Musikerinnen und Musikern. Anfangs war man bei ZDF/arte skeptisch, weil ich auf Englisch moderierte. Doch dann schalteten plötzlich über eine Million Zuschauer ein – und die allabendliche Sendung, weltweit im Internet übertragen, war nicht mehr aufzuhalten.
Wir haben über deinen Vater Christopher Hope gesprochen. Ein preisgekrönter Autor mit einer bewegenden Geschichte.
Mein Vater wurde 1944 in Südafrika geboren. Er lebt seit dreissig Jahren in Frankreich und Südafrika, pendelt zwischen den beiden Ländern. Er ist Schriftsteller mit vielen Büchern und auch journalistisch tätig. Mein Vater hat es im Prinzip immer gutgeheissen, wenn man eine eigene Meinung hatte. In den 70er-Jahren in Südafrika war er vehement gegen das Apartheidregime und hat dagegen angekämpft. Schliesslich wurden wir überwacht: beschattet, abgehört und sogar unsere Post geöffnet. Es blieb meinen Eltern nichts anderes übrig, als mit dem Gedanken zu spielen, da wegzuziehen, weil sie nicht bereit waren, Kinder in einer Welt der Apartheid grosszuziehen. Das mündete dann in einen Eklat, weil uns das Land plötzlich die Staatsbürgerschaft aberkannte und wir des Landes verwiesen wurden. Wir durften Südafrika zwar verlassen – doch die Rückkehr blieb uns verwehrt. Mit der Staatsbürgerschaft wurde uns die Identität entzogen und wir landeten dann irgendwann zuerst in Frankreich und schliesslich in England, mittel- und staatenlos. Das war eine besonders prekäre Situation für unsere Familie. In London hat mein Vater sich ein bisschen als Englischlehrer versucht. Meine Mutter hat dann recherchiert und plötzlich festgestellt, dass uns ein irischer Pass zustehen würde. Wenn man nämlich Grosseltern hat, die in Irland geboren sind, kann man die Staatsbürgerschaft übernehmen. Wir erhielten also quasi über Nacht irische Pässe, unser Aufenthalt in England war damit gesichert und meine Eltern konnten in der Folge mit mehr Ruhe einen Job suchen. Erst als Nelson Mandela an die Macht kam, fing mein Vater wirklich wieder an, Südafrika regelmässig zu besuchen.
Deine Mutter Eleanor ist dann per Zufall auf Yehudi Menuhin gestossen?
Es kam dann irgendwann dieser unglaubliche Moment, wo meine Mutter als Sekretärin über Umwege an einen sehr hochkarätigen Stellenvermittler herankam. Er hatte aktuell zwei Stellen als Sekretärin zu vergeben: beim Erzbischof von Canterbury und bei Yehudi Menuhin. Auch da wieder ereignete sich wegweisendes. Einen Job beim Erzbischof von Canterbury, eine hoch angesehene und interessante Option, hatte meine Mutter sofort abgelehnt. Der Erzbischof besuchte ein paar Jahre zuvor Südafrika und meine Eltern sind zu seiner Predigt gegangen, wo mein Vater erwartete, dass sich der Bischof im Namen der anglikanischen Kirche öffentlich von der Apartheid distanziert. Das hat er nicht getan. Eine Riesenenttäuschung für meine Eltern. Wie konnte es sein, dass ein Mann der Kirche ein solches System nicht vehement ablehnte. Mit dieser einschneidenden Erfahrung im Rücken, hat sich meine Mutter dann für die Stelle bei Yehudi Menuhin entschieden. Auch er kam nämlich nach Südafrika in den 60er-Jahren, sprach dort vor dem Parlament, ist plötzlich auf den Tisch gesprungen und hat den Parlamentariern zugerufen, er werde in diesem Land erst wieder auftreten, wenn die Apartheid weg sei!
Daniel Hope
« Ce n’est que lorsque Nelson Mandela arriva au pouvoir que mon père
recommença à aller en Afrique du Sud »
Dans la présente publication, Daniel Hope parle de l’apartheid en Afrique du Sud, de l’apatridie temporaire de sa famille, de la première rencontre de sa mère Eleanor avec Yehudi Menuhin, de son récent départ de Berlin pour la Suisse et du fait qu’à l’origine, il aurait dû s’appeler Tully et non Hope. Daniel Hope est le nouveau directeur artistique du Festival Menuhin de Gstaad. L’été dernier et le 6 septembre 2025, à l’occasion du passage de témoin, il a abondamment été question de sa carrière musicale et artistique. L’interview qu’il a accordée à ce magazine se centre principalement sur sa vie mouvementée, sa famille, son père et son combat en tant qu’auteur de plusieurs livres contre l’apartheid en Afrique du Sud. Daniel Hope y évoque une rencontre, qu’il a lui-même vécue, entre Yehudi Menuhin et l’archevêque Desmond Tutu, sa visite à la prison de Nelson Mandela, le passé de sa famille maternelle en Allemagne et les raisons du déménagement de sa famille de Berlin en Suisse. Nous y apprenons comment il en est arrivé à porter le nom de famille Hope, et ce qu’il signifie pour lui: un grand bonheur, comme dernièrement, sa nomination au poste de directeur artistique du Festival Menuhin de Gstaad. On y découvre qu’il a une idole hors du monde musical, l’acteur Klaus Maria Brandauer, aux côtés duquel il a été plus de cinquante fois sur scène. On y lit enfin qu’à Gstaad, il a emménagé dans un appartement dans lequel il a séjourné chaque été avec sa mère lorsqu’il était enfant.
Du hast Nelson Mandela erwähnt. Gab es während der Zeit von Yehudi Menuhin überhaupt zwei Menschen und Persönlichkeiten von diesem Format, die in der ganzen Welt gleichermassen geachtet waren?
Der Vergleich Mandelas mit Menuhin hat etwas Verlockendes, obwohl es zwei ganz unterschiedliche Erscheinungen waren. Vor Mandela hatte man solche Ehrfurcht, auch vor dem Hintergrund, was er erlebt hatte. Ich stand im vergangenen Jahr in seinem Gefängnis in Südafrika, vor dem Bett, an das er jahrelang gefesselt war. Mit diesem Wissen, mit diesem Bild im Herzen, einem so grossgewachsenen Mann gegenüberzutreten – da versagt einem die Sprache. Eine andere Persönlichkeit habe ich sogar noch näher an Yehudi Menuhin gesehen, und das war Bischof Tutu. Bei Mandela war man einfach von seinem Charisma erschlagen. Bei Tutu war es anders, er hat mich umarmt.
Kam es jemals zu einer Begegnung zwischen Bischof Desmond Tutu und Yehudi Menuhin?
Ich vergesse nie die Begegnung zwischen Bischof Desmond Tutu und Yehudi Menuhin. Es geschah in einem Hotelzimmer in Kapstadt und ich war zufällig Zeuge davon. Bischof Tutu kam, um Menuhin zu sehen. Ich hatte gerade Unterricht bei Menuhin und plötzlich klopfte es an die Tür und Bischof Tutu stand da. Yehudi sagte zu mir: «Bleib da», und ich sass auf dem Sofa. Ich durfte über eine Stunde lang diesen beiden grossen Persönlichkeiten einfach nur zuhören. Wie sie miteinander gesprochen haben, was sie gesagt haben, wie sie über das Leben, über die Menschheit, über den Humanismus, über die Musik und über die Heilung geredet haben. Für mich war es eine der inspirierendsten Geschichten, die mir je widerfahren sind.
Gibt es andere Persönlichkeiten – ausserhalb der Musikwelt – die dich inspiriert und in ihren Bann gezogen haben?
Der Schauspieler Klaus Maria Brandauer. Diese Person ist ein Vulkan mit einem unwahrscheinlichen Charisma. Mit einer Bühnenpräsenz, wie ich sie zuvor bei keinem Menschen gesehen hatte. Unser erster gemeinsamer Auftritt war hier in Gstaad im Jahr 2000. Das erste Mal überhaupt, dass wir zusammen auf der Bühne gestanden haben. Aber der Weg dorthin war lang. Es hat Jahre gedauert, bis ich ihn dazu überreden konnte, mit mir aufzutreten. Gstaad war dann der Beginn einer sehr langen, intensiven Freundschaft zwischen uns beiden, mit vielleicht 50 Auftritten insgesamt. Er hat mich gelehrt, dass Sprache und Musik viel näher beieinanderliegen, als man oft glaubt – besonders, wenn es um das Sprechen geht. Wenn Brandauer liest, klingt es wie Musik. Jede Textphrase singt er beinahe, und auf der Bühne formt er daraus eine Ausdruckskraft, die ihresgleichen sucht. Von Zurückhaltung bis zur Explosion, sodass alle im Saal erschrecken. Er ist so vielfältig. Klaus hat mich auch ermutigt, viel zu schreiben, indem er sagte: «Du kannst kein Schriftsteller sein, ohne dass du lernst, zu denken. Du kannst kein Filmemacher sein, ohne dass du lernst, zu schreiben.» Und das hat mir eine neue Dimension in der Kunstwelt eröffnet. Da begriff ich: Ich bin nicht nur ein Geiger, der sein Stück spielt. Ich muss das Ganze leben, in Worte fassen, Regie führen und verstehen, wie all die Fäden zusammenlaufen. Brandauer war neben Menuhin ein grosser Künstler, der an mich glaubte, als ich noch nicht bekannt war und gerade am Anfang meiner Karriere stand. Es war nicht immer einfach mit ihm auf der Bühne. Es gab Spannungen zwischen uns, die das Publikum mitbekam. Das waren aber die unglaublichsten Performances.
1999 warst du einer der wenigen Musiker bei der Abdankungsfeier für Yehudi Menuhin in der Westminster Abbey in London, wo «by the way» ganz oben auf dem Turm für diesen Tag die Fahne der Gemeinde Saanen wehte. War das dein Karriere-Durchbruch?
Es sträubt sich etwas in mir dagegen, diesen traurigen Moment als Karrierestart zu bezeichnen. Es war aber natürlich die Möglichkeit, an einem international so beachteten Anlass musikalisch etwas zu zeigen. Aber 1999 war in der Tat jenes Jahr, in dem meine ersten Platten herauskamen, die ersten Erfolge spürbar wurden und ich als eigenständiger Künstler meinen eigentlichen Start vollzog.
Daniel Hope
“It was only when Nelson Mandela came to power that my father began to visit South Africa again”
In this magazine, Daniel Hope talks about apartheid in South Africa, the temporary statelessness of his family, his mother Eleanor’s first encounter with Yehudi Menuhin, his recent departure from Berlin to Switzerland, and the fact that he was originally supposed to be called not Hope but Tully. Hope is the newly elected artistic director of the Menuhin Festival Gstaad. His musical and artistic career to date was adequately reported on last summer and on the occasion of the handing over of the reins on 6 September 2025. In the interview with this magazine, the focus is on his eventful life, his family, his father, and the latter’s struggle as the author of many anti-apartheid books in South Africa. Hope reports on an encounter he personally witnessed between Yehudi Menuhin and Bishop Desmond Tutu, his visit to Nelson Mandela’s former prison, the history of his maternal family in Germany and the reasons for his family’s move from Berlin to Switzerland. We learn how he got his surname Hope – and what it means to him: a great stroke of luck, as well as his recent election as artistic director of the Menuhin Festival Gstaad. His great role model outside the world of music is the actor Klaus Maria Brandauer. He has been on stage with him more than 50 times. He has moved into an apartment in Gstaad in which he had already lived with his mother every summer as a child.
Gstaad. Was verändert das in deinem Leben?
Sehr vieles. Es bedeutet fürs Erste eine grosse Umstellung. Denn meine bisherigen Sommer waren Sommer des Reisens. Unterwegs auf den Konzertbühnen dieser Welt. Ab dem kommenden Sommer wird sich das ändern. Ich bin jetzt in Gstaad. Ich bin jetzt hier und versuche, den gesamten Sommer da zu sein. Fürs Festival, aber auch für diese Region und die Menschen hier. Ich möchte hier in Zukunft meine Inspiration holen für all das, was ich sonst noch tue in der Welt da draussen. Ich habe von Gstaad geträumt. Nun wird dieser Traum Wirklichkeit – und führt zugleich zu einer Veränderung, zeitlich, menschlich, atmosphärisch. Und in mir brennt der grosse Wunsch, dass das, was ich als Kind so unbeschreiblich schön erleben durfte, auch meinen Kindern weitergegeben wird. Dass sie hier Teil der Community, Teil der Festspiele, Teil der Berge werden. Ich spüre einen grossen Drang, das alles mit meinen Jungs und mit meiner Frau zu teilen. Dass sie spüren, dass wenn du von solcher Schönheit und Natur umkreist wirst, dass du dann anders denkst, anders fühlst, anders agierst. Der Umzug von Berlin in die Schweiz war bereits ein grosser, schöner Einschnitt. Nun haben wir auch für unsere Aufenthalte in Gstaad eine Wohnung gefunden – nicht irgendeine, sondern genau jene, in der ich einst mit meiner Mutter lebte, die damals für Yehudi Menuhin und das Festival tätig war. Nach so vielen Jahren kehren wir also zurück, sogar zum gleichen Vermieter. Wenn man einen «full circle» beschreiben will – dann ist es dieser Augenblick.
Du hast mit deiner Familie Berlin verlassen. Was hat diese Stadt in dir ausgelöst?
Berlin ist eine grossartige Metropole mit sehr viel Kunst und Kultur. Die Stadt hat mit mir und meiner Familie viel zu tun, weil mütterlicherseits die ganze Familie aus Berlin stammt. Meine Vorfahren mussten dann auch Berlin verlassen aufgrund ihrer jüdischen Herkunft, obwohl sie sich nie als Juden identifiziert haben. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts waren sie zum Christentum übergetreten und verstanden sich stets als überzeugte Patrioten – doch für die Nazis spielte das keine Rolle. Und in Berlin – um auf deine Frage zurückzukommen – existieren immer noch Grabstätten, Häuser und Fabriken, die unserer Familie gehörten. Es fiel mir anfangs schwer, nach Deutschland, gar nach Berlin zu ziehen – die Last der Vergangenheit war zu gross. Doch meine Frau stammt aus Berlin, und so haben wir es gewagt. Rückblickend war es eine wertvolle Zeit, die wir nicht missen möchten. Wir haben aber gemerkt, dass sich gerade in den letzten Jahren vieles verändert hat. Der Ton in der Stadt ist härter geworden, vielleicht wie überall, doch in Berlin besonders. Ich aber bin ein Mensch, der die Empathie sucht. In dem Moment, als wir beschlossen, in die Schweiz zu ziehen, begann ein neues Kapitel. Berlin bleibt eine geliebte Erinnerung – doch unser Leben, unsere Heimat und unsere Zukunft gehören nun der Schweiz. Und wir schätzen uns glücklich, in der Schweiz leben zu dürfen.
Du bist im Besitz sowohl des irischen wie auch des deutschen Passes?
Ja. Der deutsche Pass wurde mir vom Bundespräsidenten überreicht, gemeinsam mit dem Bundesverdienstkreuz.
Hat diese Auszeichnung etwas mit deiner musikalischen Karriere zu tun?
Das müssten eigentlich andere beantworten! Das Bundesverdienstkreuz ehrt Menschen, die dem deutschen Staat auf besondere Weise gedient haben. In meinem Fall waren es Projekte, die sich mit Deutschland und seiner Vergangenheit befassen – humanistische Vorhaben, bei denen ich Menschen durch Musik zu erreichen suchte und dazu beitragen wollte, die Erinnerungskultur lebendig zu halten.
War die Übernahme des Präsidiums beim Beethoven-Haus in Bonn auch ein Projekt dieser Kategorie?
Nicht wirklich. Das Ehrenpräsidium des Beethoven-Hauses ist ein ehrenamtlicher Posten. Das Beethoven-Haus ist das weltweit wichtigste Zentrum für Beethoven: 80 Wissenschaftler widmen dort ihr Leben der Bewahrung seines Erbes – seiner Manuskripte, Schriften und Briefe. Beethoven hat für mich als Musiker immer eine zentrale Rolle gespielt, nicht nur als Komponist, sondern auch als Mensch: als jemand, der die Demokratie hochhielt, gegen viele Widerstände kämpfen musste und doch als freischaffender Künstler bestehen konnte. Das Ehrenpräsidium war für mich eine grosse Ehre – vor allem, weil es mit Beethoven zu tun hat, und auch, weil der erste Ehrenpräsident im 19. Jahrhundert kein Geringerer als der grosse Geiger Joseph Joachim war.















































