TOURISMUS

Doppelpower

Doppelpower

Zwei Geschwister aus dem Saanenland starten durch

Doppelpower

Zwei Geschwister aus dem Saanenland starten durch

Zwei Geschwister, zwei Sportarten, ein gemeinsamer Antrieb: Fabrice von Grünigen (24) peilt die Paralympics im Para-Snowboard an, seine Schwester Enya (21) hat es ins Nationalteam im Flag Football geschafft. Zusammen zeigen sie, wie viel Power in einer Familie stecken kann.  

Iwan Wirth war am Aufbau meiner Sammlung stark beteiligt.

Fabrice ist bereits seit 2023 im Swiss Para-Snowboard-Nationalteam und fährt seither regelmässig Weltcup-Rennen.

Fabrice von Grünigen, Para-Snowboarder

«Ich will nicht nur dabei sein»

Fabrice, Sie sind 24 und stehen schon vor Ihrer ersten Paralympics-Teilnahme?
Fix ist noch nichts. Ich habe letztes Jahr einen Quotenplatz für die Schweiz herausgefahren – das bedeutet: Die Schweiz kann nun einen Athleten mehr stellen. Die definitive Selektion trifft jedoch Swiss Paralympics, und der Entscheid kommt erfahrungsgemäss erst rund einen Monat vorher. Ich bin also noch nicht qualifiziert – aber es sieht gut aus!

Was müssen Sie bis dahin liefern?
Gute Resultate im Weltcup. Es wird eine volle Weltcup-Saison; ich fahre wie letztes Jahr den kompletten Kalender.

Wie bereiten Sie sich vor?
Heute ist die Spitze im Para-Snowboard hochprofessionell. Mein Sommer ist strukturiert wie im Spitzensport: Kraft, Athletik, Ausdauer, dazu Schneetraining, u.a. Indoor in Holland oder mehrwöchig in Saas-Fee. Ich arbeite mit einem Athletik-Coach und einem Physiotherapeuten.

Man sieht Sie im Gym – und auf dem Golfplatz.
Ja, Golf auf der Möser, Tennis oder im Moment vor allem Biken am Horneggli oder der Wispile – Bewegung gibt mir mental enorm viel. Schon als Kind musste ich mich ständig bewegen. Aber die Priorität bleibt klar: Snowboard.

Ihr Setup?
Mein Material ist massgeschneidert. Ich fahre angepasste Boots mit erhöhter Sohle links und speziellen Innenschuhen. Das ist Präzisionsarbeit – man verbringt Tage damit: anpassen, ausprobieren, zurück ins Atelier, wieder anpassen. Ohne solche Lösungen könnte ich auf diesem Level nicht starten. Mein Boots-Paar reist übrigens immer direkt bei mir im Handgepäck.

Sie sprechen offen über Schmerzen.
Ich hatte mit 18 einen Bergunfall. Rechts ist der Vorfuss amputiert, links wurde der Unterschenkel rekonstruiert. Nervenschmerzen gehören dazu –mal mehr, mal weniger. Im Alltag gehts, auf langen Gehstrecken oder je nach Wetter kann es zwicken. Ich starte aber ohne Schmerzmittel; medizinische Ausnahmen wären zwar möglich, aber ich will das nicht. Wichtig ist, ehrlich auf den Körper zu hören: Wenn die Qualität im Training fällt, höre ich auf – sonst zahlt man es am nächsten Tag.

Wie finanzieren Sie den Weg an die Spitze?
Ich baue mein Sponsoring aus. Es gibt Unterstützung, u.a. über die Swiss Olympic Card, aber Para-Spitzensport bleibt finanziell eine Challenge – gerade am Anfang, bevor man wirklich bekannt ist. Über weitere Sponsoren und Gönner würde ich mich natürlich sehr freuen! Im Sommer arbeite ich 50 Prozent in einem Kleinmotoren-Betrieb. Im Winter dagegen konzentriere ich mich voll auf den Sport.  

Was ist Ihr Ziel an den Paralympics in Cortina?
Wenn ich selektioniert werde, will ich nicht nur dabei sein. Ich bin Wettkämpfer.
Ich will vorne mitfahren.

 Enya von Grünigen, Flag-Football-Spielerin

Voller Einsatz zwischen Briefen und Blitzangriff

Auch Fabrice’ Schwester Enya von Grünigen (21) steckt voller Energie und sportlicher Ambitionen. Seit knapp drei Jahren spielt sie Flag Football und schaffte im vergangenen Frühling bereits den Sprung in die Nationalmannschaft. Wie kommt man zu einem Sport, den hierzulande noch kaum jemand kennt? «Über meinen Freund, der nach einer Verletzung vom Tackle zum Flag Football wechselte und mich zu einem Probetraining mitnahm. Nach der ersten Einheit war ich sofort Feuer und Flamme!», erzählt Enya.

 

Seither dreht sich ihr Alltag um den Sport: Sie tauschte ihren Beruf als Bereiterin auf einem Pferdehof gegen eine Stelle bei der Post – mit früheren Arbeitszeiten und freien Wochenenden, die mehr Trainings ermöglichen. Parallel gründete sie mit ihrem Partner und Freunden den ersten reinen Frauen-Flag-Football-Verein im Kanton Bern. Als bisherigen Höhepunkt ihrer Karriere bestritt sie ihr erstes Länderspiel an der EM in Paris. «Wir haben sechs von sieben Spielen gewonnen – und trotzdem die WM-Qualifikation hauchdünn verpasst», fasst sie zusammen.

 

Aufgeben kommt für Enya allerdings nicht infrage. Ihr Ziel: Stammspielerin im Nationalteam werden und den Weg Richtung künftige Weltmeisterschaften –
und vielleicht eines Tages sogar Olympia – mitprägen. Dafür trainiert sie mehrmals pro Woche auf dem Feld, ergänzt durch Krafttraining und Ernährungs­coaching.

Iwan Wirth war am Aufbau meiner Sammlung stark beteiligt.

Schnell und agil muss sie sein: Als Verteidigerin versucht sie hier,
der Ballträgerin eine der «flags» vom Gürtel abzuziehen. 

Was ist Flag Football?
Flag Football ist die kontaktlose Variante des American Football. Statt Tackles werden den Spielerinnen Klett-Flags an der Hüfte abgezogen – das Spiel bleibt schnell, taktisch und sicher. Gespielt wird meist 5-gegen-5 auf verkürztem Feld mit präzisen Pässen und klaren Rollen in Offence und Defence. In der Schweiz organisiert der SAFV Ligen, Nationalteams und die Weiterentwicklung des Sports.