Thomas Straumann
«Gstaad ist und bleibt meine zweite Heimat.»
TEXT: HANS-UELI TSCHANZ
BILDER: RAPHAEL FAUX
Der Medizinaltechnik-Pionier und Investor Thomas Straumann und seine Vorfahren verfügen über eine hochinteressante Vita mit äusserst erfolgreichen und weltumspannenden Aktivitäten im Bereich Medizinaltechnik. Thomas Straumann, bereits in jungen Jahren der Shootingstar am Schweizer Unternehmerhimmel, engagiert sich nebenbei auch seit vielen Jahren für den Pferdesport. Voller Stolz verfolgt er die Erfolge seiner Töchter Géraldine und Flaminia, beides Top-Sportlerinnen im Schweizer Reitsport. Privat hält er über 50 Pferde, die meisten davon Sportpferde. In den 1990er-Jahren hat Thomas Straumann sein Herz an Gstaad verloren, wo er über einige Jahre seinen offiziellen Wohnsitz hatte und mit dem Erwerb des Hotels Bellevue und später des «Les Trois Rois» in Basel auch unter die Hoteleigner ging. Seine Entscheidung, die volle Energie und einen Grossteil seines Vermögens in die zügige Weiterentwicklung der Zahnimplantate und Medizinaltechnik zu investieren, hat sich als goldrichtig erwiesen.
Thomas Straumann, gehen wir in der Zeit etwas zurück. Ihr Grossvater hatte schon einen speziellen Kontakt zu Gstaad. Wie kam das?
Mein Grossvater war ein leidenschaftlicher Skispringer. Er war nicht nur Aerodynamiker und Uhrenfabrikant, sondern auch FIS-Delegierter für Schanzenbau und hat diverse Schanzen nach seinen Berechnungen konstruiert. Dadurch war unsere Familie sehr stark mit dem Skisprungsport verbunden. Die familiäre Verbindung zur «Skispringerei» bestand zudem in Windkanal- und Materialversuchen. Mein Grossvater begann damit bereits im Jahr 1926. Mein Vater hat diese Tradition weitergepflegt. In Gstaad, St. Moritz und Engelberg haben meine Vorfahren Geschwindigkeitsmessungen auf dem Schanzentisch, kombiniert mit Windmessungen, durchgeführt. Daraus ergab sich die sogenannte S-Wertung (Straumann-Wertung), entwickelt durch meinen Grossvater. Es ging ihm damals darum, die Wettkampfrichter abzuschaffen. Er war nämlich überzeugt, dass es eine Methode geben muss, mit welcher ein Flug aufgrund der Leistung des Springers unter Berücksichtigung der äusseren Einflüsse wie Aerodynamik und Wind bewertet werden kann. Die Formel hiess, der Springer mit der geringsten Geschwindigkeit auf dem Schanzentisch und der grössten Weite verfügt über die beste Aerodynamik, also die beste Position in der Luft. Das war dann die sogenannte S-Wertung (Straumann-Wertung). Leider hat sich diese Messgrösse bei der FIS nie durchgesetzt. Die Trainer allerdings haben sich dafür interessiert.
Wie haben Sie Gstaad dann persönlich entdeckt?
(Überlegt) Ursprünglich durch den Reitsport. Früher gab es in Gstaad auf der Eggliwiese eine Springkonkurrenz. Ich war noch ein kleiner Junge. Meine Schwester Annemarie jedoch ist damals geritten und wir waren oft in Gstaad. Die Springkonkurrenz in Gstaad war von grosser nationaler Bedeutung mit internationaler Beteiligung. Viel später dann, nach einem Workshop der Geschäftsleitung Straumann am Genfersee, hatte ich spontan entschieden, auf einem anderen Weg nach Liestal zurückzufahren, wo wir damals unseren Wohnsitz hatten. Unterwegs in Gstaad machte ich Halt und meine Jugenderinnerungen schwappten wieder hoch. Zu dieser Zeit hatten wir am Lago Maggiore ein Haus und ich suchte immer auch etwas in den Bergen. Da ich dafür bekannt bin, rasch zu entscheiden, fuhren meine Frau und ich kurz darauf zurück nach Gstaad und nahmen dort Kontakt auf mit Trudi Saner, Marcel Bach und Charly Werren. Rasch wurden wir fündig. Innert Wochenfrist hatten wir uns für ein Chalet am Oberbort in Gstaad entschieden. Wir fuhren in der Folge regelmässig ins Saanenland und in den 1990er-Jahren entschieden wir, auch unseren Wohnsitz nach Gstaad zu verlegen. Unsere Kinder gingen ins Rütti-Schulhaus und anschliessend ins Ebnit zur Schule. Der zweitälteste Sohn besuchte das Internat in Zuoz und die anderen Kinder haben ihre Schulzeit in Gstaad beendet.
Gstaad war also Ihr Wohnort und später kam dann der Kauf des Hotels Bellevue dazu?
Nachdem ich nach Gstaad gezogen war, habe ich mich vor Ort auch persönlich eingebracht und wurde unter anderem Mitglied im Vorstand von Gstaad Saanenland Tourismus. Dadurch kam ich auch in Kontakt mit der lokalen Hotellerie. Obwohl das Hotelbusiness gar nicht mein Stammgeschäft war, und auch meine Familie nie in der Gastronomie tätig war, hat mich die Hotellerie immer fasziniert, vor allem durch meine rege berufliche Reisetätigkeit. Ich war oft rund um die Welt unterwegs und habe als Gast in schönen Hotels den Wunsch verspürt, einmal selbst als Hotelbesitzer etwas umsetzen zu können. Es ergab sich dann, dass ich Georges Ambühl kennenlernte. Er war damals im Palace Gstaad tätig und unsere Söhne gingen zusammen zur Schule. Eines Tages ruft er mich an und sagt zu mir, hör mal, nur falls du Interesse an einem Hotel hättest, im Bellevue Gstaad tut sich eventuell etwas. Ich kannte das Hotel Bellevue und fand, das könnte etwas für mich sein. So kam ich zum Bellevue, welches sich damals noch im Besitz der Familien Muggli und Oesch befand. Wir haben das Hotel erworben, ausgehöhlt und radikal umgebaut. Mein Freund Thomas Thoenen kam dazu und gemeinsam mit «Gödi» Hauswirth und Eric Reichenbach haben wir das Konzept Bellevue mit dem Slogan «Wellness gegen den Knopf im Kopf» umgesetzt. Zusammen mit Rosmarie Horn von der Firma Teo Jakob wurde die ganze Innengestaltung konzipiert. Die Fassade war mehr oder weniger geschützt und die Bögen vom Restaurant mussten erhalten bleiben. Den Dachstock durften wir ausbauen und die beiden Türme zusätzlich ansetzen. Es war mir wichtig, mit dem Bellevue wieder einen zentralen Punkt im Untergstaad zu kreieren, sodass der Name Bellevue wieder seine Berechtigung erlangte. Damals existierte noch die alte Curlinghalle und mein Ziel war es, diese auch zu erwerben und abzubrechen. Der Park wurde neugestaltet, was eine unglaubliche Aufwertung mit sich brachte. Deshalb hoffe ich nicht, dass nun die geplanten Residenzhäuser kommen. Das wäre jammerschade.
Beeindruckend war, dass Sie den Mut hatten, dem Hotelinnern einen etwas untypischen, moderneren Stil zu verpassen.
Genau deshalb habe ich Rosmarie Horn mit der Firma Teo Jakob geholt. Wir wollten weg vom «Stoffigen» und etwas Alternatives machen. Das Gebäude Bellevue war ursprünglich ebenfalls alles andere als im Chalet-Stil gebaut. Es verfügte über wunderschöne Räume, die wiederhergestellt werden konnten, wie zum Beispiel die beiden Restaurants und die Bar. Mit Arne-Jacobsen- oder Corbusier-Möbel etwas Untypisches in die Berge zu bringen, das, glaube ich, ist uns recht gut gelungen.
Und weshalb dann noch einen Yacht Club?
Mein Vater hat mich schon als kleinen Jungen in ein Segelboot gesetzt und gesagt «schau mal wie du wieder ans Ufer kommst.» Später habe ich Peter Erzberger kennengelernt und erfahren, dass es den Gstaad Yacht Club gibt. Dieser suchte ein neues Clublokal. Im Zusammenhang mit dem Spa suchten wir nach einer Lösung für das Hallenbad. Da dieses nur in einem neuen Chalet untergebracht werden konnte, suchten wir nach weiteren Möglichkeiten, dieses Gebäude zusätzlich zu nutzen. Nach dem Prüfen verschiedener Optionen sind wir auf die Idee gekommen, hier den Gstaad Yacht Club unterzubringen. Also habe ich mich mit Peter und Lilian Erzberger im Olden zusammengesetzt und wir waren uns bald einig, dass wir gegenseitig profitieren könnten. Das Bellevue würde den Club nutzen, und wenn der Gstaad Yacht Club Events beherbergt, kann das Hotel mitprofitieren. Bei der Umsetzung war dann der Gstaad Yacht Club als Mieter von Anfang an involviert.
Es war also so etwas wie Ihr persönliches Geschenk an den Gstaad Yacht Club?
(Lacht) Ich rede nicht gerne von Geschenk. Nein, es war ein «Give and Take». Wir wollten beide voneinander profitieren und einander helfen. Der Club hat etwas gesucht und wir fanden gemeinsam, es sei eine tolle Sache, wenn der Club im Dorf bleibt.
Der Erwerb des Hotels Bellevue als Ihr persönlicher Einstieg in die Hotellerie?
Ja. Später, als ich dann wieder nach Basel gezogen bin, ist das Hotel Drei Könige dazugekommen. Das «Les Trois Rois» habe ich nicht gesucht, es ist im Gegenteil an mich herangetragen worden. Wir führten dann über zwei Jahre die beiden Hotels in Gstaad und Basel parallel unter der Bezeichnung «Spirit Hotels», haben eng zusammengearbeitet und versucht, Synergien zu nutzen. Dadurch aber, dass ich inzwischen wieder in Basel gelebt habe und meine jetzige Frau eine grosse Liebhaberin des Engadins ist, sind wir weniger oft nach Gstaad gefahren. Zwei Hotels waren mir auch zu viel, und ich musste für das Bellevue in Gstaad eine Lösung finden. Ich suchte nach einer Lösung und habe in diesem Zusammenhang Rudolf Maag angerufen. Er sagte spontan zu. Rudolf Maag ist der Onkel meiner ersten Frau Gaby, also blieb das Hotel quasi in der Familie und ging vor allem nicht an eine Hotelgruppe.
Und wie fühlen Sie sich jetzt, wo Sie gerade im Gstaad Yacht Club sitzen und zurückblicken?
Gstaad ist und bleibt meine zweite Heimat und ich darf mich freuen, heute als Ehrenmitglied des Gstaad Yacht Club hier zu sein.
Thomas Straumann
“Gstaad is still my second home.” About an inspiring, nostalgic reunion after years of absence
The medical technology pioneer and investor, Thomas Straumann, and his ancestors have a highly interesting CV with extremely successful and worldwide activities in the field of medical technology. Thomas Straumann, who was already the shooting star in the Swiss entrepreneurial sky at a young age, has also been involved in equestrian sport for many years. He proudly follows the successes of his daughters Géraldine and Flaminia, both top female athletes in Swiss equestrian sport. Privately he holds more than 50 horses, most of which are sport horses. In the 1990s, Thomas Straumann lost his heart to Gstaad, where he had his official place of residence for several years and became a hotel owner with the acquisition of the Hotel Bellevue and later the “Les Trois Rois” in Basel. His decision to invest all his energy and most of his financial assets in the rapid development of dental implants and medical technology has proved to be spot on.
Straumann ist eine international präsente Marke im Bereich des implantatgestützten und restaurativen Zahnersatzes, der oralen Geweberegeneration und der Kieferorthopädie mit Tochtergesellschaften in Europa, Asien und Amerika. Die Geschichte dieser erfolgreichen Marke ist stark mit Ihrer Person und Ihren Vorfahren verbunden. Können wir uns darüber unterhalten?
Die Geschichte des Unternehmens beginnt wieder mit meinem Grossvater, 1953 in Waldenburg BL. Er kam aus der Uhrenindustrie, war damals Direktor der Firma Revue Thommen, Produzentin von Uhren und Höhenmessern. Durch die Ehe mit seiner Frau Fanny Heid gelangte mein Grossvater zur Firma Tschudin und Heid AG. Dort richtete er im Keller ein kleines Labor ein, interessierte sich für spezielle Legierungen für die Uhrenindustrie und hat dann später – bereits mit meinem Vater zusammen – das Forschungslabor Institut Straumann gegründet. Dort hat man an verschiedenen Legierungen von Oberflächen, primär für die Uhrenindustrie, sprich Aufzugfedern, Spiralfedern für die mechanischen Uhren, geforscht. Hauptthema war die Korrosionsbeständigkeit und eine hohe Elastizität der Federn. Dadurch entstand ein gewisses Know-how im Materialbereich. In den 1960er-Jahren hat dann mein Vater durch seine Mitgliedschaft im Rotary Club Liestal den bekannten Professor Hans Willenegger kennengelernt, Gründungsmitglied der AO, Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthese, sprich operative Knochenbruchbehandlung. Gemeinsam haben sie damit begonnen, Platten und Schrauben für dieses Indikationsgebiet herzustellen. Es gab damals Probleme mit der Körperverträglichkeit dieser Implantate. Im Zusammenhang mit dieser Problematik ist Hans Willenegger auf meinen Vater zugegangen und sagte:
«Ihr habt doch so ein Forschungslabor in Waldenburg, könnt ihr uns helfen?» Und so ist mein Vater dann dazu gekommen, Oberflächenlegierungen zu entwickeln für körperverträgliche Implantate. Schritt für Schritt wurde er zum Produzenten für Synthes. Synthes war eine Marke, die eigentlich aus dem Verbund der AO heraus entstanden war. Die Produkte sind unter dem Markennamen Synthes weltweit hergestellt und vertrieben worden. Wir waren einer der Produzenten und Vertriebspartner unter der Marke Synthes. Die Firma Mathys in Bettlach war die erste, welche Implantate für die AO unter dem Brand Synthes hergestellt hat, und wir dann die zweite. Und so ist das ganze Osteosynthese-Geschäft entstanden. Robert Mathys Senior und mein Vater haben sich dann einmal in Olten im Bahnhofbuffet getroffen und dort wurde der Weltmarkt für das Produkt Synthes aufgeteilt.
Weltweit bedeutete auch Amerika?
Nordamerika wurde Straumann-Territorium und mit diesem Schritt entstand auch eine neue Gesellschaft, nämlich die Synthes USA. Die Besitzverhältnisse waren in diesem Fall ein wenig anders aufgeteilt. Maurice Müller und Martin Allgöwer waren auch mit von der Partie und es wurde jemand gesucht, der Synthes USA aufbaut. So kam Hansjörg Wyss ins Spiel. Bis zu diesem Zeitpunkt kam alles aus der Schweiz. Nordamerika wurde in der Folge mit einer eigenen Produktion ausgestattet und bereits 1986 ist Synthes USA eigenständig geworden. Hansjörg Wyss hat die Synthes USA von den bisherigen Aktionären Müller/Allgöwer/Straumann übernommen und produzierte von nun an in den USA.
Im Jahr 1988 ist dann Ihr Vater verstorben.
Wie ging es mit Straumann weiter?
Nach dem Tod unseres Vaters haben wir vier Geschwister uns überlegt, wie wir die Firma Straumann weiterführen. Auf Mutters Seite existierte noch die Firma Six Madun, Produzentin von Staubsaugergeräten. Aber Straumann war das Hauptgeschäft. Wir waren uns einig, dass wir uns nicht alle vier um die Firma kümmern können und wir das irgendwie regeln müssen. Deshalb beschlossen wir mit unserer Mutter zusammen, den Hauptbereich der Straumann-Gruppe – den Bereich Synthes – zu verkaufen, und haben geschaut, wo das hinpassen könnte. Rudolf Maag als damaliger Geschäftsführer von Synthes hat sich relativ rasch gemeldet und gesagt, er würde Synthes gerne im Rahmen eines Management-Buy-outs kaufen und eigenständig als Stratec Medical aufbauen.
Was bedeutete dieser Schritt für Sie persönlich?
Ich wollte den Namen Straumann wieder zurück, weil es auch mein Familienname ist, und liess meine neue Firma unter dem Namen Institut Straumann laufen. Gleichzeitig lief Synthes in den USA weiter und wurde als eigenständige Firma davon nicht berührt. Rudolf Maag führte Stratec Medical dann 1997 sehr erfolgreich an die Börse. Gleichzeitig ist die Zusammenarbeit mit Synthes USA weiter ausgebaut worden. In den Folgejahren hat Hansjörg Wyss alles zusammengelegt und Stratec wie auch Mathys übernommen. Alle drei Produzenten waren sodann im Besitz von Hansjörg Wyss, welcher die Firma später an Johnson & Johnson veräussert hat.
Mit welchen Folgen für Sie persönlich?
Im Moment des Management-Buy-outs kam ich zur Überzeugung, dass ich wieder selbst etwas aufbauen wollte. Es war für mich nie ein Thema, die alte Straumann-Gruppe in der damaligen Form weiterzuführen. So hatte sich für mich die Möglichkeit ergeben, den Dentalbereich mit damals knapp 10 bis 15 Mio. Franken Umsatz aus der alten Straumann-Gruppe herauszulösen. Am 1. Januar 1990 war es so weit. Ich startete mit der neuen Institut Straumann AG und dem gesamten Zahnimplantate-Geschäft. Bereits 1998 ging ich an die Börse. Die Straumann Group ist mittlerweile auf 2,5 Mrd. Franken Umsatz mit rund 12000 Mitarbeitenden (Geschäftsjahr 2024) gewachsen. Wir sind heute die klare Nummer eins im Weltmarkt.
Was waren Ihre Rollen und Verantwortlichkeiten bei der Institut Straumann AG?
Am Anfang führte ich als CEO und Präsident des Verwaltungsrats die Firma selbst. Zwei bis drei sehr langjährige Mitarbeiter aus der alten Straumann-Gruppe hatte ich an meiner Seite. Sie kannten den Zahnbereich bestens und haben diesen Bereich auch vor der Neuausrichtung geführt. Bis kurz vor dem IPO hatte ich also als CEO und Präsident die Firma geleitet und mich anschliessend aufs Präsidium zurückgezogen. Nach dem Börsengang wollte ich nicht der CEO sein, der den Analysten auf der Welt nachreist. Ich bin lieber unternehmerisch tätig. Als ich anschliessend auch das Präsidium abgegeben hatte, musste ich einen guten Präsidenten finden, um als Vizepräsident das Bindeglied zur Wissenschaft und zu unserer Ärztegruppe, die uns eng begleitete, zu stellen. Das war dann der Moment, wo auch Rudolf Maag wieder dazustiess. Fast 10 Jahre wirkte er als Präsident der Straumann Group, mit mir als Vizepräsident. Eine tolle Zusammenarbeit. Wir haben viel gemeinsam entschieden, die Straumann Group neu ausgerichtet und wichtige Weichen gestellt.
Wo steht die Straumann Group heute?
Straumann ist weltweit die Nummer eins in der Implantologie. Wir haben nicht nur Implantate, sondern alles, was rund um Implantate herum auch noch geschieht. Wir decken den ganzen Biologic-Bereich sowie die Digitalisierung ab und sind ein Gesamtanbieter. Wir können nicht allein mit Implantaten für die Zahnärzte und Kliniken überleben. Also bieten wir zusätzlich Aus- und Weiterbildungen an. Da hatten wir bereits viel aus der alten Zeit der Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthese AO gelernt oder vom ITI, International Team for Implantology, einer Organisation, die hinter der Straumann Group steht und welche mein Vater 1980 mitgegründet hatte, als der wissenschaftliche Backbone von Straumann. Das war damals ein kleiner Club von 40 Zahnärzten, hauptsächlich aus der Schweiz und aus Deutschland. Das ITI hat die Entwicklung von Straumann Dental begleitet und gemeinsam mit Prof. Dr. Daniel Buser und vielen weiteren Freunden haben wir das ITI weiterentwickelt und geöffnet. ITI ist heute weltweit mit Abstand die grösste Organisation im Bereich Implantologie mit knapp 30000 Mitgliedern und dem Ziel, 50000 zu erreichen. Also von 40 Mitgliedern auf knapp 30000. Für die Straumann Group ein unglaublicher Asset. ITI bietet weltweit Kurse an, auf verschiedenen Stufen.
Da taucht noch der Name Medartis auf. Ein weiteres Standbein von Ihnen?
Wie gesagt, Straumann ist rein Dental. Was ich immer gesucht habe, nachdem ich mit Straumann neu angefangen hatte, war ein zweites Standbein. Implantologie ist zwar interessant, aber es brauchte noch etwas dazu, und wir haben, weil wir in der Implantologie auch mit grossen Kliniken in Kontakt waren, viel mit Kieferchirurgen zu tun gehabt. Sprich mit Rekonstruktionen, zum Beispiel Tumorrekonstruktionen oder Korrekturen des Mittelgesichts, plastische Sachen, oft in Verbindung mit Zahnaufbau. Also Platten und Schrauben für den Kiefer- und Gesichtsbereich. Ich bin dann auf die Suche gegangen und konnte ein System der Firma Electra erwerben. Diese war im neurochirurgischen Bereich tätig, mit einem kompletten System für den Kiefer- und Gesichtsbereich. Electra wollte verkaufen, denn es war nicht ihr Stammgebiet. Ich habe das bei Straumann 1998 eingebaut, als wir das IPO vorbereitet hatten, war begeistert von diesem System und wollte trotz anfänglicher Zweifel unserer Bank, der UBS, welche den Lead des IPOs unter sich hatte, weitermachen. Also habe ich das System aus der Straumann-Gruppe herausgelöst und gründete eine neue Firma unter dem Namen Medartis. Wir haben die ersten ein bis zwei Jahre mit Straumann zusammen die Distributionskanäle aufzubauen versucht, was nicht so recht funktioniert hat, weil einem Kieferchirurgen ein Zahnimplantat zu verkaufen, einen komplett anderen Approach voraussetzt, als ein Platten-Schrauben-System zu verkaufen. Also sind wir komplett getrennte Wege gegangen: Straumann Zahn, Medartis Osteosynthese. Medartis ist heute auch an der Börse mit knapp 1000 Mitarbeitenden. Wir sind aus dem Kopf heraus weitergegangen, haben ein Hand-Radius-System entwickelt und sind heute mit dem Hand-Radius-System in Europa die Nummer eins. Wir decken ein komplettes Hand-Radius-System bis zur Schulter, Klavikula und zum ganzen Gesichts- und Schädelbereich ab. Dazu kommt ein komplettes Fuss-System. Wir haben eine amerikanische Firma gekauft und produzieren auch in den USA. Mit der eigenen brasilianischen Firma Neo Orto sind wir ins Value-Segment eingestiegen und beliefern den Weltmarkt. Das Value-Segment deckt ein komplexes System ab, vielleicht ein bisschen preisgünstiger. Es gibt da nicht so viele Komponenten wie bei einem Synthes- oder Medartis-System, welche alle Indikationen abdecken. Aber immer noch in einer Top-Qualität. Denn wir wollen uns auch im Value-Segment im oberen Bereich bewegen. Unsere Systeme müssen über Generationen bestehen. Dies gelingt nur, wenn alles wissenschaftlich basiert und unterlegt ist. Mit dem Dental-System bei Straumann und jetzt mit Medartis.
Thomas Straumann
«Gstaad reste ma seconde patrie.» A propos de retrouvailles nostalgiques passionnantes, après des années d’absence.
Le pionnier et investisseur en technique médicale Thomas Straumann et ses ancêtres ont un parcours de vie très intéressant, aux activités internationales extrêmement fructueuses dans le secteur de la technique médicale. Etoile montante parmi les entrepreneurs suisses dans sa jeunesse déjà, Thomas Straumann s’engage en outre depuis plusieurs années en faveur du sport équestre. Il suit avec fierté les exploits de ses filles Géraldine et Flaminia, toutes deux sportives de haut niveau du sport équestre suisse. A titre privé, il possède plusieurs chevaux, dont la plupart sont des chevaux de sport. Dans les années 1990, Thomas Straumann est tombé amoureux de Gstaad. Il y a eu son domicile officiel durant quelques années, période durant laquelle il devint propriétaire d’hôtel, en acquérant l’hôtel Bellevue et plus tard les Trois Rois à Bâle. Sa décision d’investir toute son énergie et une grande partie de sa fortune dans le développement rapide des implants dentaires et de la technique médicale s’est avérée judicieuse.
Wie können Sie sicherstellen, dass bei all Ihren Firmen und Systemen Top-Qualität garantiert ist?
Bei Straumann und Medartis habe ich persönlich auf strategischer Ebene immer als Bindeglied zwischen der jeweiligen Firma und der Wissenschaft gedient. Dafür wollte ich selbst verantwortlich sein. Natürlich brauchen wir auch qualifizierte Leute. Aber ich bin jetzt über 36 Jahre im Verwaltungsrat von Straumann. Als solcher vertrete ich die Gründer, die Familie, unsere DNA. Die Firma, die wir aufgebaut haben. Das zu pflegen und weiterzugeben an eine nächste Generation, das erachte ich als meine Aufgabe.
Wie stark beeinträchtigt die momentane Diskussion um die Importzölle in den USA Ihr Geschäft?
Ganz wichtig ist, dass der Kunde das Vertrauen zu uns und zu unserem Produkt nicht verliert, auch wenn es im Preissegment eventuell eine Veränderung geben wird. Und dass die Kunden wissen: Straumann ist da und wir wollen gemeinsam Lösungen finden. Dadurch, dass wir zwei Produktionsstandorte in den USA haben, haben wir einen Vorteil. Wir produzieren einen grossen Teil unserer Produkte für den nordamerikanischen Markt in den USA. Also unterstehen diese nicht den Importzöllen. Wir haben natürlich auch gewisse Produkte, die aus der Schweiz kommen. Da schauen wir jetzt, was wir davon in die USA verlagern können. Aber das braucht Zeit. Wo es uns weh tut, ist im Value-Segment. Neodent ist ein System, welches in Brasilien hergestellt wird und mittlerweile weltweit unterwegs ist. Ein grosser Teil davon wird in den USA verkauft und unterliegt 50 Prozent Importzöllen in den USA.
Kann Straumann kompensieren, indem mehr nach China oder in den Mittleren Osten geht?
Dadurch, dass wir in fast allen Ländern mit Niederlassungen tätig sind, gewinnt diese Vertriebsphilosophie an Bedeutung. Indien zum Beispiel ist ein Markt, der stark wächst. Dieser kompensiert gewisse Verluste in den USA. Der gesamtasiatische Markt ist ein wachsender Markt.
Sie haben das Reiten vor ein paar Jahren aufgegeben. Ihre Leidenschaft für den Reitsport haben Sie jedoch nicht an den Nagel gehängt?
Meine Familie hat immer mit Pferden zu tun gehabt, und wir sind alle geritten. Mein Grossvater und mein Vater sind geritten und auch meine Mutter kommt aus einer Reiterfamilie. Meine jüngste Tochter aus erster Ehe, Flaminia, hat sich dem Reiten verschrieben. Als 6-Jährige ist sie sehr früh nach Deutschland gegangen und hat mit 14 Jahren dort richtig angefangen, aktiv zu reiten. Sie ist heute noch in der Reiterei, macht mit mir zusammen unter anderem die LONGINES CHI CLASSICS Basel. Meine jüngste Tochter aus zweiter Ehe, Géraldine, ist sehr aktiv im Reitsport und ist jetzt gerade in Marokko auf der Global Champions Tour, hat letztes Jahr bei zwei Weltcup-Springen in Oslo und Verona einen sechsten Platz geritten. Sie hat ihre Jugendkarriere abgeschlossen und kommt jetzt ins U25- und Elitekader. Ihr grosses Ziel ist nächstes Jahr die WM in Aachen, die erste Station auf dem Weg zur Qualifikation für 2028, die Olympischen Spiele in Los Angeles. Ich habe selbst 40 bis 50 Pferde und 24 Angestellte. Eines meiner grossen Ziele wäre, für 2030 die Weltmeisterschaft in die Schweiz zu holen. Ein grosses Vorhaben.

















































